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Dornach

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Allgemein

Dornach ist eine Gemeine im Kanton Solothurn in der Schweiz und der Hauptort des Bezirks Dorneck. Sie beherbergt ca. 6‘605 Einwohner (Stand 2013) und hat damit nicht Stadtgrösse erreicht.

 

1223 wird das Dorf erstmals urkundlich erwähnt mit der Bezeichnung Tornach. Der Name leitet sich vermutlich aus dem lateinischen „fundus turranicus“ (Gut des Turranius) ab. Älteste Funde in Dornachbrugg werden auf das Jahr 8000 vor Christus datiert

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Das Wappen von Dornach wurde von den Efringern übernommen, die von 1394 bis 1485 Herren der Burg Dorneck gewesen waren und zeigt zwei abgekehrte Angeln.

 

Die Gemeinde erstreckt sich über 577 ha wovon fast die Hälfte (257 ha) Wald sind. Auf der Bergseite wird sie vom Gempenplateau und auf der Talseite von der Birs begrenzt. Dornach weist einen relativ hohen Höhenunterschied auf: Der höchste Punkt liegt auf 687 m.ü.M und der tiefste auf 281 m.ü.M.

 

Dornach ist verkehrsmässig sehr gut erschlossen. Der Bahnhof ist Teil der Linie Basel Délémont und auch die Tramlinie 10 verbindet die Gemeinde mit Basel.

 

Geschichte

Seit der Antike besteht in der Region um Basel eine Kontinuität der Siedlungen. Aus diesem Grund kann man auch für Dornach annehmen, dass es seit der Antike ununterbrochen besiedelt war, auch wenn die erste offizielle Erwähnung erst im Jahr 1223 belegt ist.

Das St. Alban Kloster hat seinen Besitz in Dornach zwischen 1083 und 1284 erworben. So wird Dornach im Zinsbuch des Domstiftes von St. Alban das erste Mal im Jahr 1284 erwähnt.

Seit Beginn des 14. Jahrhunderts herrschen die Grafen von Thierstein in der Umgebung von Dornach. Es folgt eine wechselhafte Geschichte mit immer neuen Besitzern. Schon Ende des 14. Jahrhunderts übernehmen die Efringer die Herrschaft und verkaufen hundert Jahre später die Hälfte ihre Besitzes der Stadt Solothurn.

Am 22. Juli 1499 findet die berühmte Schlacht von Dornach statt, wo es die Eidgenossen schaffen, rechtzeitig Truppen zu schicken und die Schwaben zu schlagen. Aus dieser Zeit stammen die noch heute gängigen Begriffe Sauschwaben und Kuhschweizer. Im Schwabenkrieg versuchte Graf Heinrich von Fürstenberg die Burg Dorneck zu erobern. Da er sich seiner Sache sicher war, verzichtete er darauf Wachtposten aufzustellen. Dies nutzten die angerückten Eidgenossen und überfielen die unvorbereiteten Schwaben. Den Vorteil liessen sie nicht mehr aus der Hand und schlugen das militärisch überlegene Heer in die Flucht. Der Anführer Graf von Fürstenberg wurde ebenfalls getötet. Wenig zur Zierde gereichte den Eidgenossen, dass sie die Leichen der Gefallenen Gegner nicht den Angehörigen aushändigen wollten, obwohl sie darum von Basler Mönchen gebeten wurden. Sie liessen die meisten Leichen einfach auf dem Schlachtfeld verwesen. Ebenfalls war damals das sogenannte Abkeulen gängige Praxis. Dabei wurden die verletzten Feinde nach der Schlacht auf dem Schlachtfeld mit Hieben getötet. Die Eidgenossen machten keine Gefangenen und gingen mit heute unvorstellbarer Grausamkeit vor. Gemäss forensischen Untersuchungen der Anthropologin Christine Cooper kam es vermutlich auch zu Verstümmelungen von Augen, Nasen und Ohren.

Mit der Errichtung einer Schlachtkapelle 1512, wurde Dornach zum Wallfahrtsort. Heute steht beim ehemaligen Kloster ein Schlachtenrelief und im danebenliegenden Gebeinhaus finden sich einige Knochen von Gefallenen.

1529 entscheidet sich Dornach für die Reformation und im Zuge dessen wird die Kirche geräumt. Aber schon 1534 kehrt man zum alten Glauben zurück.

Im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts sichert sich Solothurn endgültig die Rechte an Dornach.

Die dunkle Zeit der Hexenverfolgung erreicht bis 1600 die Hochzeit. Dafür konzentriert man sich im 17. Jahrhundert auf die Wirtschaft, führt einen Wochenmarkt ein und baut ein Kaufhaus. 1676 wird ein Kapuzinerkloster eingeweiht.

 

Wandlung unter dem Einfluss Napoleons

Bis zum Jahr 1798 waren die solothurnischen Gemeinden reine Gemeinschaften von Ortsbewohnern und die politische Gewalt lag bei der solothurnischen Obrigkeit. Als dann im Jahre 1798 die Franzosen die Eidgenossenschaft zerschlugen, kam es zu grundlegenden Änderungen, die von manchen Historikern auch die Revolution in der Schweiz genannt werden. Denn die Schweiz war bis zu diesem Jahr alles andere als demokratisch. Weite Teile der Bevölkerung, insbesondere der Landbevölkerung, hatten keine Rechte und mussten beispielsweise Frondienst leisten. Es folgten turbulente Jahre in denen kurzzeitig die helvetische Republik (1798-1803) bestand. Dagegen opponierten viele Kräfte innerhalb der Eidgenossenschaft und es kam zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. In diesem Moment griff Napoleon ein und beendete die Streitigkeiten auf einen Schlag mit der Androhung von Gewalt. Napoleon sah ein, dass die zentralistische helvetische Republik in der Schweiz keinen Rückhalt fand und ordnete deshalb eine föderalistische Struktur an, die bis heute Bestand hat.

In Dornach wurde die Herrschaft der alten Klasse mit der Erstürmung der Burg Dorneck durch französische Truppen beendet. Die Gemeinde Dornach kaufte danach die Schlossruine und die dazugehörigen Güter.

 

Der Weg zur Demokratie

Diese Freiheit der Bürger währte aber nicht lange. Denn mit dem Sturz Napoleons im Jahre 1814 riss die Aristokratie wieder die Macht an sich. Das allgemeine Wahlrecht wurde massiv eingeschränkt und es kam zu einer Teilung der Gesellschaft in wählbare und nicht wählbare Kantonsbürger oder sesshafte und solche ohne festen Wohnsitz. Der Kanton bestimmte, dass über zweitausend Heimatlose jeweils bestimmten Gemeinden zugewiesen wurden und bezahlte dafür eine Taxe. Dagegen wehrten sich viele Gemeinden darunter auch Dornach.

Interessantes Kuriosum aus jener Zeit: 1812 brannte in Dornach ein Haus nieder. Die Brandursache wurde auf zwei pfeifenrauchende Bewohner zurückgeführt und es kam zu einer der wohl ersten Kampagnen gegen das Rauchen. Die Argumentation war jedoch nicht gesundheitlicher sondern eher sicherheitstechnischer Natur.

1831 trat im Kanton Solothurn die neue Verfassung in Kraft, mit der ein guter Schritt in Richtung Demokratie getan wurde. Es dauerte aber noch Jahrzehnte, bis sich die Demokratie im heutigen Sinne etablierte. Sogar nach der neuen Bundesverfassung aus dem Jahre 1848 waren nur Bürger mit genügend Geld und eigenem Haushalt in die Ämter wählbar. Auch wurde weiterhin zwischen Gemeindebürgern und niedergelassenen Schweizer Bürgern unterschieden. Den niedergelassenen Einwohnern wurden nur beschnittene Wahl- und Mitbestimmungsrechte zugebilligt.

Die Industrialisierung hatte diesbezüglich im Sinne der Demokratie einen positiven Einfluss. Denn es kam zu einer Wanderbewegung in Gegenden, wo durch die Industrie neue Arbeitsplätze entstanden. Dadurch bildeten in gewissen Regionen, die niedergelassenen Schweizer Bürger die Mehrheit und forderten damit auch immer mehr Rechte ein. 1875 löste dann die Einwohnergemeinde die Bürgergemeinde ab, was ein grosser Schritt in Richtung Demokratie bedeutet. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass ungefähr die Hälfte aller mündigen Bürger bis weit ins 20. Jahrhundert hinein nicht abstimmen durfte – die Frauen.

Die Einwohnerzahl Dornachs verdreifachte sich im 19. Jahrhundert von 531 Einwohnern im Jahre 1800 auf 1’543 Einwohner im Jahre 1900, wobei die Zahl der Bürger konstant blieb. Die Zugezogenen wurden von den Steinbrüchen, Sägewerken und besonders auch vom Bau der Jurabahn angezogen. Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang auch die Gründung der Metallwerke AG im Jahre 1895.

 

1900-1945

Ein für Dornach ebenfalls sehr prägendes Ereignis war die Verlegung des Hauptsitzes der Anthroposophischen Gesellschaft von Rudolf Steiner nach Dornach. Das Goetheanum machte Dornach weltbekannt und hatte grossen kulturellen Einfluss in der Gemeinde. Es ist Sitz und Tagungsort der Anthroposophischen Gesellschaft.

Zusammen mit der Industrialisierung und dem dadurch einhergehenden Bevölkerungswachstum bedingte das Goetheanum einen enormen Ausbau der Infrastrukur, insbesondere des Wasser-, Kanalisations- und Stromnetzes. Diese Entwicklung wurde auch durch den ersten Weltkrieg nicht gebremst, weil die Metallwerke AG vom Krieg profitierte und mit ihren Steuerabgaben Dornach die weitere Entwicklung finanzierte. Die Weltwirtschaftskrise dagegen setzte auch Dornach schwer zu. Die Fürsorge erhielt damit einen Schwerpunkt und wurde deutlich ausgebaut.

Nach dem ersten Weltkrieg nahm der motorisierte Verkehr derart zu, dass am 8. September 1922 Dornach die erste Verkehrsordnung erliess. So wurde zum Beispiel die Fahrgeschwindigkeit auf 15km/h begrenzt. Wegen mangelnder Kontrollmöglichkeiten „rasten“ die Automobilfahrer jedoch munter weiter und konnten kaum gebüsst werden.

Unter dem Einfluss von Hitlerdeutschland gab es bedauerlicherweise auch in der Schweiz nationalistische und rassistische Strömungen. So kam es in Dornach 1933 einmal zu einer Veranstaltung der national-sozialistisch geprägten Frontisten, die in einer gewalttätigen Auseinandersetzung mündete, weil ein Grossteil der Dornacher gegen die Ideen Hitlers war. Deshalb wurde danach in Dornach nie mehr eine solche Veranstaltung wiederholt. Das Ende der dreissiger Jahre war geprägt vom bevorstehenden Krieg. Es wurden Luftschutz- und Verteidigungsanlagen errichtet und man arbeitete einen Plan für die Evakuierung Dornachs aus.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Gleich nach Kriegsende intensivierte man den Strassenbau massiv. Aber auch neue Wohnzonen wurden eingerichtet und das Schulhaus in Oberdornach gebaut. Nach langer Dominanz der Bürgerlichen gewann 1957 das erste Mal die SP das relative Mehr im Gemeinderat.

Durch die vielen Investitionen in die Infrastruktur aber auch durch den Landkauf verschuldete sich Dornach deutlich. Dadurch stieg in der Bevölkerung die Angst und auch Protest wurde wach, der beispielsweise in Petitionen seinen Niederschlag fand.

In den frühen siebziger Jahren verlagerte sich Dornach von einer Gewerbe- und Industriesiedlung zu einer Dienstleistungs- und Wohngemeinde, was man anhand der Steuererträge sieht. Durch den Zuzug von immer mehr Bewohnern aus Basel und auch durch die geografische Nähe ist das Selbstverständnis Dornachs stark nach Basel orientiert.

 

1971 wurde endlich das Frauenstimmrecht eingeführt. Im gleichen Jahr wurde das Ammannamt zum Vollzeitjob.

 

Die weiteren Jahre bis heute kann man unter den Begriff Entwicklungs- und Sanierungsjahre subsumieren. Eine Vielzahl an öffentlichen Gebäuden wurde errichtet, wie z.B. Sportanlagen, Sporthallen, Jugendzentren und auch ein Schwimmbad. Man vergass in diesen Jahren sogar ein wenig, sich um die Betagten zu kümmern, holte dies dann aber 1991 mit der Einweihung des Alters- und Pflegeheims Wollmatt nach.

Auch die Buslinie 64 nach Arlesheim stammt aus jener Zeit und wurde 1978 eingeführt. Der in den sechziger Jahren gegründete Kulturausschuss der Gemeinde Dornach organisierte mit immer grösserem Erfolg verschiedenste Anlässe wie Theateraufführungen, Vorträge, Konzerte usw. Nach einer mehrjährigen Pause wurde er im Jahre 2001 wieder ins Leben gerufen.

Saniert wurden unter anderem das Schulhaus Brühl, die Schulanlage Bruggweg, die Schwimm- und Turnhalle Gwänd, der Kindergarten Gempenring usw.

 

Ein Highlight der Dorfgeschichte ist die Wahl von Otto Stich zum Bundesrat. Otto Stich wuchs in Dornach auf und besuchte hier die Primar- und Bezirksschule. Schon mit 20 Jahren schloss sich Otto Stich der sozialdemokratischen Partei Solothurns an. Im Jahre 1983 wurde er dann, für viele überraschend, in den Bundesrat gewählt.

 

Ab 2000

Auch nach dem Jahr 2000 stand man in Dornach nicht still und sanierte weiter. Das Strassennetz wurde vielerorts erneuert und auch erweitert, die Brücke am südwestlichen Eingang zu den Metallwerken neu errichtet, das Wasser- und Kanalisationsnetz wurde saniert, ein zweites Kindergartengebäude errichtet und vieles mehr.